In New York wäre fast ein durchsichtiger Tunnel gebaut worden, der uns über den East River gebracht hätte. Weil auch die NASA in dieser Geschichte eine Rolle spielt, geben wir die Hoffnung nicht auf, ihn irgendwann doch betreten zu können.

Es wäre eine Sensation geworden: ein aufblasbarer Fußgängertunnel, leicht und transparent – auf der Wasseroberfläche des New Yorker East River.

Ein Meilenstein der Technologie, ein Bruch mit Konventionen. Eine 730 Meter lange Verbindung über das Wasser, mit spektakulärer Perspektive.

Das Konzept war unter dem Titel „L Transporter“ als Lösungsvorschlag für ein sich anbahnendes New Yorker Problem eingereicht worden: 2019 wird die Subway-Linie L für Sanierungsmaßnahmen geschlossen. Bis zu 36 Monate werden die Arbeiten dauern und die täglich 225.000 Pendler zwischen Brooklyn und Manhattan vor größere Herausforderungen stellen.

2019 wird die Subway-Linie L zwischen Manhattan und Brooklyn für Sanierungsmaßnahmen geschlossen.
2019 wird die Subway-Linie L zwischen Manhattan und Brooklyn für Sanierungsmaßnahmen geschlossen.
Foto: Getty Images / Image source

Technologie zwischen Hyperloop und NASA

New York muss also schnell eine Antwort finden. Deshalb schrieb eine örtliche Stiftung einen Ideenwettbewerb für die große, neue Transportlösung aus. 100 Visionäre beteiligten sich – die aufregendste Idee reichten Architekt Gonzalo Cruz und sein Team ein. Folgerichtig schaffte es ihr Konzept zum „L Transporter“ auch unter die sechs Finalisten.

Cruz und sein Team arbeiten tagsüber für die Infrastrukturfirma AECOM, deren Knowhow sie nutzen konnten. Das Unternehmen besitzt in der Konzeption futuristischer Ideen Erfahrung: Es arbeitet unter anderem am „Hyperloop“ mit, einem vielversprechenden Transportsystem für Hochgeschwindigkeitsverbindungen.

„Dieser Tunnel sollte eine neue Art und Weise darstellen, die Stadt zu entdecken“, sagt Harvard-Absolvent Cruz. Seine Vision: Eine Mischung aus futuristischer Technologie und Kunstinstallation. Mobilität, Kunst, Kultur und neuer Raum für New York City – der Stadt, von der man sagt, sie erfinde sich täglich neu.

„Die New Yorker haben Angst vor dem Wasser, vor diesem schmutzigen Teil ihrer Stadt“, sagt Cruz. Das habe einen Teil des Reizes ausgemacht: Ein Projekt zu konzipieren, das die New Yorker mit ihrem Fluß „in einem semi-transparenten System“ vereine. Möglich sollte dies durch 730 Meter eines speziellen Kunststoffes werden: einem Fiberglas-Textil, entstanden in der NASA-Forschung, das unter anderem auch benutzt wird, um konventionelle Tunnel vor Überschwemmungen zu schützen.

Spaß haben und Neues wagen

„Wir hätten auf Nummer Sicher spielen können – mit einer Transportidee, die garantiert funktioniert, die einfach zu bauen und kostengünstiger ist“, sagt Cruz. „Aber wir wollten Spaß haben und Neues wagen. Wir sind urbane Designer. Wir wollen neue Ansätze und Möglichkeiten aufzeigen“, erklärt er.

Das finale Gewinnerprojekt, eine Art Wassershuttle, basiert nun auf der bestehenden Infrastruktur. Ein gutes, realisierbares Projekt, gibt Cruz zu. „Wir hingegen wollten neues Denken provozieren. Der L Transporter bleibt Zukunftsmusik, er wird als Projekt auch nicht weitergeführt. Doch in einer Stadt wie New York City waren schon ganz andere Rekorde möglich.“

Illustration eines bunten Tunnels
Ästhetisch mobil: Der Tunnel hat Platz für kunstvolle Lichtinstallationen.
Grafik: AECOM

Nur eine Frage der Zeit

Deshalb statt eines Ausblicks ein Rückblick und ein bisschen Philosophie: Sollte man lieber nicht zu weit denken, um Erfolg zu haben? Sollte man Träume lieber im Schlafzimmer lassen, statt sie aufzublasen und über einen Fluss zu legen?

Nein, sagt der Architekt. „Der L Transporter ist nicht futuristisch im Sinne von utopisch, sondern futuristisch im Sinne von: in der Zukunft Realität„, sagt Cruz. Man müsse nur mehr Zeit investieren, mehr Planung, mehr Überlegung. Und mehr Geld.

„Diese Technologien, die die NASA heute schon nutzt, werden in allen möglichen Bereichen Einzug halten, es ist nur eine Frage der Zeit.“ Innovative Ideen seien in Zukunft immer stärker ein Muss, weil die Welt sie brauche, so Cruz.

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