Wenn es Nacht wird in Europa strahlt ein Land besonders hell. Belgien hat als einziges Land des Kontinents seine Autobahnen mit einer durchgängigen Laternenbeleuchtung ausgestattet. Eine neue Idee stellt das Konzept der fest installierten Laterne nun in Frage.

Während sich einem Astronauten im Orbit eine spektakuläre Sicht auf unsere leuchtende Infrastruktur bietet, wird über den wahren Nutzen der nächtlichen Beleuchtung seit Jahren diskutiert. Nach und nach schaltet nun die belgische Regierung die Laternen ab.

Vor allem sprechen ökonomische und ökologische Gründe für dunkle Autobahnen nach Sonnenuntergang. Alleine im wallonischen Teil des Landes sollen bis zu zehn Millionen Euro im Jahr alleine für die Stromkosten der Autobahnlaternen angefallen sein.

Dennoch kann eine gute Beleuchtung von Straßen nicht nur Verkehrsteilnehmer sichtbarer und Situationen transparenter machen, sie verschafft Fußgängern, Fahrradfahrern und Autofahrern in weniger dicht besiedelten Regionen auch ein verstärktes Gefühl von individueller Sicherheit.

Fleetlight wird per Smartphone-App gebucht
Die Drohnenflotte kündigt sich per Smartphone-Meldung an.

Statische Energiefresser

Das Konzept der Straßenlaterne ist eigentlich so alt wie die Stadt selbst. Im 19. Jahrhundert noch mit Gas betrieben, leuchten heute die allermeisten Laternen elektrisch. Aber ist dieses Konzept noch zeitgemäß? Eine statische Lichtquelle, die immer nur eine Stelle beleuchtet, egal, ob dort etwas passiert oder nicht?

Diese Fragen stellten sich das britische Versicherungsunternehmen Direct Line und die Agentur Saatchi & Saatchi. Gemeinsam wurde ein spannender Open-Source-Prototyp entwickelt: „Fleetlight“ – eine mit leistungsstarken LEDs ausgestattete Drohnenflotte. Die fliegenden Leuchten lassen sich per Smartphone-App „buchen“, um den nächtlichen Heimweg sicherer zu machen.

Begleitet von den Drohnen kann man sich per pedes, auf dem Fahrrad oder im Auto auf den Weg machen. Die Leuchtflotte begleitet einen automatisch. Helle Lichtkegel illuminieren dabei den Weg des Nutzers mit einer faszinierenden Ästhetik, die Fans von Filmen wie „E.T.“ oder Serien wie „Stranger Things“ besonders gut gefallen dürfte.

Fleetlight-Drohnen beleuchten den Weg
Alles Gute kommt von oben: leuchtende Begleiter.

Drohnen beleuchten den nächtlichen Heimweg

Dabei handelt es sich jedoch gar nicht so sehr um Science-Fiction, sondern um Technik, die bereits heute unseren Alltag beeinflusst und in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen wird.

„Moderne Technologien ermöglichen uns als Versicherungsanbieter, den Fokus immer mehr auf Prävention, statt auf Entschädigung zu setzen“, erklärt Mark Evans, Marketing-Direktor von Direct Line. „Wir wollen diesen Trend anführen und suchen nach innovativen Ideen, um den Alltag von Menschen proaktiv zu verbessern.“ Gerade im Herbst und Winter würden Verkehrsunfälle mit Fußgängern im Dunkeln um 40 Prozent zunehmen, so der Versicherer.

„Bei jeder Flotte gibt es eine Lead-Drohne, welche die Formation der anderen Drohnen bestimmt und auch mit dem User interagiert“, erläutert Richard Lewis, einer der Entwickler des Konzepts. „So folgen die Drohnen dem Nutzer, egal, wohin er geht.“ Bis zu 100 km/h schnell kann die Drohnenflotte werden – so lässt sie sich auch von motorisierten Gefährten nicht abschütteln.

Fleetlight beleuchtet den Weg beim Joggen
Die Drohnen begleiten dich, ob du zu Fuß oder motorisiert unterwegs bist.

Technologie für die Zukunft

Bei hohen Geschwindigkeiten ein akkurates Tracking zu ermöglichen, ist ein technisch schwieriges Unterfangen. Gary Howell, Experte für dieses Feld, kennt die Defizite satellitengesteuerter Navigation. Und eine Lösung: „Um bei solchen Geschwindigkeiten genau und sicher fliegen zu können, reicht GPS nicht aus. Wir haben daher mit der Technologie RTK (Real-Time Kinematic) gearbeitet. Diese Methode erlaubt ein viel genaueres Fliegen und Tracking. Hier gibt es Abweichungen von höchstens einem bis zwei Zentimetern.“

Zugegeben: Man wird in naher Zukunft noch nicht gesamte Städte oder Autobahnen mit Drohnen-Laternen beleuchten können. Bei einer aktuell begrenzten Flugzeit von höchstens 30 Minuten ist die Reichweite des Systems für einen flächendeckenden Einsatz derzeit zu gering.

Dennoch macht „Fleetlight“ deutlich, welches Potenzial neue Technologien für die urbane Zukunft haben können. Mit Sicherheit kann man gespannt sein, welche neuen Anwendungsbereiche in den Bereichen Urbanität, Logistik, Transport, aber auch Infrastruktur entstehen werden.

Und ehrlich: Wer hätte gedacht, dass die altbekannte, klassische Straßenlaterne jemals ein solches Revival feiern würde. Fliegend, smart, vernetzt und zudem noch ziemlich cool.