Wer Lissabon besucht, nimmt sofort die Aufbruchsstimmung wahr, die in der Luft liegt. Denn die portugiesische Hauptstadt ist dabei, sich neu zu erfinden. Mit der Kuratorin Inês Grosso, verantwortlich für Programmdirektion und internationale Projekte beim neuen Kunsttempel MAAT, besuchen wir im smart BRABUS fortwo cabrio ihre Lieblingsorte der sich wandelnden Stadt.

Die Brücke des 25. April sieht aus wie der Zwilling der Golden Gate Bridge. Dahinter, am schier endlosen Ufer des Tejo, wölbt sich eine futuristische Struktur, weiß glänzend vor dem blauen Himmel, wie eine Schaumkrone. Auf dem Dach des Gebäudes schlendern Besucher umher und bewundern den Ausblick. Diese neue Sehenswürdigkeit ist das MAAT – das Museum of Art, Architecture and Technology. Gerade erst mit einem sogenannten Soft Opening eingeweiht, lockt es bereits Scharen von Besuchern an. Inês Grosso gehört zu den drei Kuratoren, die das außergewöhnliche Gebäude mit spektakulärer Kunst füllen. Aber heute nimmt sich Inês frei, um uns ihre Seite von Lissabon zu zeigen – in einem smart BRABUS fortwo cabrio.

Kuratorin Inês Grosso im smart in Lissabon

Bom dia, Inês, deine Louboutins sind klasse. Wo hast du sie her?
Inês Grosso: (lacht) Freut mich, dass es dir aufgefallen ist – ich liebe diese Schuhe. Ich habe sie neulich in der Fashion Clinic gekauft. Für Designersachen ist das genau die richtige Adresse.

Neuer Job, neues Museum und neue Schuhe – gute Zeiten!
Inês Grosso: Ja – und ich freue mich, an diesem Projekt für das MAAT zu arbeiten. Ich war vorher am Inhotim, dem berühmten Skulpturengarten in Brasilien. Dieses neue Gebäude, das Amanda Levete gebaut hat, ist nicht nur selbst ein Kunstwerk – es hat auch 7.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, die es zu füllen gilt. Es ist ein fantastischer Ort für unser Team und für die Stadt.

Ines Grosso fährt im smart durch Lissabon

Was ist größer: dein Respekt vor der Aufgabe oder dein Tatendrang?
Inês Grosso: Der Respekt ist groß, andererseits ist es auch toll, an einem brandneuen Projekt zu arbeiten; die Erste zu sein, die den Ort mit Leben füllt. Wir haben einen speziellen Raum, die Oval Gallery, die spezielle Auftrags-Installationen beherbergt oder große Adaptionen namhafter Künstler wie Dominique Gonzalez-Foerster, die aktuell zu sehen ist. Die übrigen Räume bieten Platz für temporäre Ausstellungen, die in einen Dialog mit Architektur und Technologie treten.

Ist ein gutes Netzwerk dabei hilfreich?
Inês Grosso: Definitiv. Partnerschaften mit anderen europäischen Institutionen könnten uns helfen, wichtige Wanderausstellungen unterzubringen – was uns mit der Zusammenarbeit mit dem Vitra Design Museum, dem Barbican und der Whitechapel Gallery schon erfolgreich gelungen ist.

Welche Richtung siehst du für das MAAT in der näheren Zukunft?
Inês Grosso: Unser Ziel ist, eine gewisse Konstanz und Balance zwischen Kommissionen namhafter internationaler Künstler, Schauen mit portugiesischer Kunst der Gegenwart und Wanderausstellungen zu gewährleisten. Das MAAT wird ein Raum für interkulturellen Austausch sein und damit ein Ort für die Produktion und den Dialog zwischen portugiesischer und internationaler Kunst. Für mich persönlich ist sehr aufregend, dass uns die Kommissionen für unsere Oval Gallery erlauben, langfristige Beziehungen zu den Künstlern aufzubauen.

Mit anderen Worten, ihr werdet mit ihnen gemeinsam kreativ.
Inês Grosso: Genau.

Was für ein toller Job!
Inês Grosso: Ja, ich liebe meine Arbeit. Aber sie kann auch anstrengend sein. Ich reise ständig zu Museen, Biennalen und Kunstmessen in ganz Europa und sehe mich nach interessanten Künstlern und Kunstwerken um.

Wie du bereits angedeutet hast, ist das MAAT aufgrund seiner Architektur schon an sich eine Attraktion.
Inês Grosso: Auf jeden Fall. Die Leute kommen, um sich die Architektur anzuschauen, und das gibt uns die Gelegenheit, sie zu erreichen. Wir wollen ein breiteres Publikum ansprechen. Museen erfüllen heutzutage bekanntermaßen eine Vielzahl von Funktionen. Es ist also wichtig, dass wir uns reflektiert mit der Beziehung zwischen Museum und Stadt auseinandersetzen.

Prima. Lass uns auf Erkundungstour gehen. Wenn man durch die Stadt fährt, sieht man überall Kräne und Baustellen. Erfindet sich die Stadt gerade neu?
Inês Grosso: Ja. Die Stimmung ändert sich wirklich. Früher war die Atmosphäre manchmal bedrückend – wir steckten mitten in einer schweren Finanzkrise. Heute haben wir immer noch nicht viel Geld, aber man kann sehen, dass die Leute herziehen und hier investieren.

Es sind auch viele Ausländer hier – man hört auf den Straßen viel Französisch.
Inês Grosso: Lissabon wird sehr kosmopolitisch. Neulich hatte mein Nachbar ein paar Leute zum Abendessen eingeladen. Unter den 20 Personen waren nur zwei Portugiesen. Portugal ist stolz auf seine Tradition, aber wir wissen, dass wir Ausländer brauchen. Es gibt so viele Gründe, in Lissabon zu leben und zu investieren. Es ist die nächstgelegene europäische Hauptstadt an den USA und Südamerika und ist auch hervorragend an mehrere afrikanische Staaten und die wichtigsten europäischen Städte angebunden. Die Wirtschaft und der Tourismus erleben ein ziemliches Wachstum. Das Wetter ist hervorragend, wir haben traumhafte Strände und günstige öffentliche Verkehrsmittel. Lissabon ist eine freundliche und sichere Stadt. Darüber hinaus ist Portugal ein Vorreiter auf Gebieten der Wissenschaft, Innovation und Technologie, wie zum Beispiel erneuerbare Energien. EDP ist einer der weltgrößten Anbieter von Windenergie. Das MAAT ist Teil der EDP Foundation.

Spiegelt sich diese Weltoffenheit auch in der Kunstszene wider?
Inês Grosso: Ja. Und das hat nicht nur mit den vielen Sehenswürdigkeiten von Lissabon zu tun. Wir sind ein Teil von Europa und es ist hier nicht allzu teuer. Man kann sehr preiswerte Ateliers mieten, während man nur zwei oder drei Stunden von London oder Berlin entfernt ist. In London zu leben, können sich Künstler kaum mehr leisten.

Welche Gegend ist im Kommen? Wo kann man sich als Künstler preiswert niederlassen?
Inês Grosso: Zum Beispiel in Chiado, einem meiner Lieblingsviertel. Seine Lage mitten in der Altstadt macht es zum idealen Treffpunkt. Das Viertel ist sehr authentisch – die alte Lebensart ist hier immer noch spürbar. Und es ist noch bezahlbar, selbst für Künstler.

smart fährt durch Lissabon

Gehst du hier auch aus?
Inês Grosso: Ich bin immer hier, wenn ich in Lissabon bin. Um in Ruhe Kaffee zu trinken, gehe ich ins Café no Chiado. Als Studentin habe ich hier viel gearbeitet. Und natürlich treffen sich alle vor dem berühmten Jugendstil-Café A Brasileira. In der Nähe ist das Bairro Alto mit all seinen Bars – ich liebe die Mischung von Leuten, obwohl es dort in meiner Jugend ziemlich finster war.

Und wo kann man gut einkaufen?
Inês Grosso: Eines meiner Lieblingsgeschäfte hier ist A Vida Portuguesa. Es ist ein reiner Nostalgie-Trip und sie verkaufen portugiesische Retromarken und Produkte. Sie führen die Handcreme, die meine Oma benutzt hat (lacht). Wenn ich ein Geschenk brauche, kaufe ich etwas von Bordallo, etwa Krüge oder Keramik-Sardinen. Als jemand, der über vier Jahre in Brasilien gelebt hat, bin ich ziemlich nostalgisch und fasziniert von diesen portugiesischen Produkten und Marken. Und noch dazu findest du hier diese wunderschönen filigranen Goldohrringe aus Minto, einer Region in Nordportugal. Als ich in Brasilien war, haben mich alle gefragt, woher ich sie habe.

Schick!
Inês Grosso: Ja, aber ich mag auch bodenständige Sachen und Krimskrams. Jeden Dienstag und Samstag ist die Feira da Ladra, ein toller Flohmarkt im ältesten Teil der Stadt, der Alfama. Da findest du wirklich alles, von Kleidungsstücken bis hin zu Möbeln.

Ines Grosso in einem Laden in Lissabon

Wo gehst du am liebsten Mittagessen?
Inês Grosso: In der Cervejeria Ramiro, das ist konkurrenzlos. Als ich meinen Master in Kuratorischen Studien gemacht habe, sagte mein Dozent immer: ‚Geh mit berühmten Künstlern nie in ein schickes Restaurant – da langweilen sie sich! Geh mit ihnen ins Ramiro!‘ Ich hatte keine Ahnung, was er meinte, aber inzwischen weiß ich, dass er recht hatte. Es ist familiär und authentisch, ein Restaurant für jedermann. Und die traditionellen portugiesischen Meeresfrüchte sind einfach köstlich. Da bleibt nichts übrig!

In welchen Stadtteilen ist der Wandel am spürbarsten?
Inês Grosso: Auf jeden Fall im Viertel Martim Moniz, das eine große Zukunft haben wird: Es ist vielfältig, zentral gelegen und es gibt hier fantastische, preiswerte Wohnungen mit hohen Decken. In ein paar Jahren wird sich hier alles verändert haben. Ein weiteres spannendes Viertel ist Xabregas. Es liegt nahe am Hafen und hat noch viele leerstehende Lagerhäuser. Apropos, die LX Factory an den Docks in Alcântara ist auch ein wirklich cooler Treffpunkt – eine alte Textilfabrik, die heute ein Kreativzentrum ist – mit Cafés, Co-Working-Flächen, kleinen Geschäften, Galerien und vielen Graffiti.

smart-art-lisbon

Ganz schön hip!
Inês Grosso: Das stimmt, aber wir wollen auch unsere Traditionen nicht vergessen. Das Museu Nacional do Azulejo, das in einem alten Kloster untergebracht wurde, ist ein beeindruckendes Schaufenster für unsere berühmten blauen Kacheln. Und im Hof gibt es ein wunderbares, abgeschiedenes Restaurant, das fast niemand kennt. Da habe ich am liebsten zu Mittag gegessen, als ich in der Gegend gearbeitet habe.

Und wo finde ich große Kunst?
Inês Grosso: Im MAAT natürlich, und im Museu Coleção Berardo. Ein Geheimtipp ist das Atelier-Museu Júlio Pomar. Das Museum zeigt und fördert die Arbeiten von Júlio Pomar, einem der wichtigsten Vertreter der zeitgenössischen portugiesischen Malerei. Es gibt dort ein sehr interessantes Programm vorübergehender Ausstellungen. Die Räume sind in einem ehemaligen Lagerhaus aus dem 17. Jahrhundert untergebracht – direkt neben Pomars Wohnhaus. Das Museum ist von Alvaro Siza Vieira neugestaltet worden, einem von Portugals meistgefeierten Architekten.

smart Nahaufnahme in Lissabon
Ines Grosso beim Mittagessen in Lissabon
Mittagessen in Lissabon
smart fortwo in Lissabon bei Nacht

Und wo lässt du den Abend ausklingen?
Inês Grosso: Nach einem Sundowner auf der Terrasse des Bairro Alto Hotel mit meinen Freunden gehe ich mindestens einmal pro Woche im Kampai Abendessen. Es sieht von außen unscheinbar aus, aber die Küche ist fantastisch. Das Restaurant ist im Prinzip ein portugiesisches Sushi-Restaurant. Der Fisch stammt von den Azoren, der portugiesischen Inselgruppe.

Lass mich raten: Du gehst mit Künstlern, die zu Besuch sind, hierher zum Abendessen?
Inês Grosso: (lacht) Woher wusstest du das?

Nach vier Jahren als Kuratorin des brasilianischen Skulpturengartens Inhotim ist Inês Grosso in ihre Geburtsstadt Lissabon zurückgekehrt. Sie studierte Kunstgeschichte in Porto, bevor sie in ihrer Heimatstadt den Masterstudiengang Curatorial Studies absolvierte. Inês gehört zum Kuratoren-Team des MAAT und lebt im Santos-Viertel von Lissabon.

MAAT Museum in Lissabon

Local Secrets Lissabon:

MAAT
Museu de Arte, Arquitetura e Tecnologia
Av. Brasília, Central Tejo
1300-598 Lissabon
www.maat.pt

Fashion Clinic (Woman)
Av. da Liberdade, Tivoli Forum 5
1250-146 Lissabon
www.fashionclinic.com

Café no Chiado
Largo do Picadeiro, 10-12
1200-330 Lissabon
www.cafenochiado.com/en/

A Brasileira
Rua Garrett 120
1200-205 Lissabon

A Vida Portuguesa
Rua Anchieta 11
1200-023 Lissabon

Feira da Ladra
Campo de Santa Clara
1100-472 Lissabon

Cervejeria Ramiro
Av. Almirante Reis 1 H
1150-007 Lissabon
www.cervejariaramiro.pt

LX Factory
R. Rodrigues de Faria 103
1300-501 Lissabon
www.lxfactory.com

Museu Nacional do Azulejo
Rua da Madre de Deus 4
1900-312 Lissabon
www.museudoazulejo.pt

Museu Coleção Berardo
Praça do Império
1449-003 Lissabon
en.museuberardo.pt

Atelier-Museu Júlio Pomar
Rua do Vale 7
1200-472 Lissabon
ateliermuseujuliopomar.pt

Bairro Alto Hotel
Praça Luis de Camões
1200-243 Lissabon
www.bairroaltohotel.com

Kampai
Calçada da Estrela 35-37
1200-661 Lissabon
www.kampai.pt