Das Baumhaus ist ein Kindheitstraum. Moderne Interpretationen von Mikrohäusern in den Wipfeln könnten jedoch zusätzlich urbane Wohnprobleme lösen. Sechs Beispiele von Baumhäusern, die Stadt und Natur zusammenbringen – und auch erwachsene Herzen erfreuen.

Alu-Box in den Baumwipfeln

Im Berliner Randbezirk Zehlendorf tickt die Hauptstadt etwas langsamer: Hier stehen prachtvolle Villen und riesige Kastanienbäume, der Schlachtensee ist um die Ecke. An dieser Nahtstelle zwischen Stadt und Natur befindet sich seit einiger Zeit das Projekt „The Urban Treehouse“: zwei mietbare Baumhäuser auf einem 650 Quadratmeter großen Grundstück, entworfen von Andreas Wenning.

Aluminium-Verbundplatten verkleideten Wohnkuben in Berlin
„The Urban Treehouse“ in Berlin.
Foto: Laura Fiorio

Der deutsche Architekt gilt als Koryphäe auf dem Gebiet der Baumhäuser. Die mit Aluminium-Verbundplatten verkleideten Wohnkuben ruhen in vier Meter Höhe auf einem mit Massivholzlatten verkleideten Sockel, in dem sich Stauraum und Sauna verbergen. Die Stahltreppe hängt an Seilen und führt hinauf zum Wohnraum. Oben ist man dann auf Augenhöhe mit den Baumkronen und dem Himmel über Berlin etwas näher.

gemütliches Interior einer „Urban Treehouse“ in Berlin
Modern wie ein Loft, gemütlich wie ein Baumhaus.
Foto: Laura Fiorio

Innen muten die beiden Baumhäuser allerdings so modern an wie ein Loft in Berlin-Mitte: Eames-Designerstühle, Boxspringbett, Soundsystem und ein Bad mit Regendusche machen den 28 Quadratmeter großen Raum zum Edel-Hideaway in den Baumwipfeln. Städtische Annehmlichkeiten mitten in der Natur – den Baumhäusern gelingt die Fusion dieser Welten bestens.

Ein Haus wie ein Nest

Palmen und Zypressen prägen das hügelige Stadtbild von Los Angeles. Auch auf einem extrem abschüssigen Grundstück im hippen Stadtviertel Echo Park wachsen die Bäume himmelhoch. Anstatt sie zu fällen, entschieden sich die Grundbesitzer aber, sie sorgsam zu umbauen und in ihr neues Heim einzubeziehen.

Baumhaus im Echo Park in der Abenddämmerung
Wohnen auf einem Level mit den Baumwipfeln.
Foto: Steve King & Michael Wells

Simon Storey von Anonymous Architects entwarf daraufhin eine baumhausartige Residenz, die sich zwischen die Bäume des Anwesens schmiegt – und den größten sogar mit einschließt: Die ausladende Zypresse windet sich jetzt wie ein Kunstobjekt quer durch das Kinderzimmer und das stählerne Dach.

Gleichzeitig hob Simon Storey das Gebäude an. So befinden sich alle Räume auf einem Level mit den Baumwipfeln und der Wohnraum musste nicht auf verschiedene Ebenen verteilt werden. Mit einem weiteren ganz praktischen Vorteil: Das Laub spendet an sonnig-heißen Tagen Schatten und kühlt das Haus auf natürliche Art. Kein Wunder, dass sich die Bewohner hier fühlen wie in einem luftigen Vogelnest.

ein Baumstamm im Raum des Baumhauses
Innen: viel Holz und Platz für den Baum.
Foto: Steve King & Michael Wells
Interior mit viel Holz
Foto: Steve King & Michael Wells
Wohnzimmer im Baumhaus
Foto: Steve King & Michael Wells

Die Luxus-Baumhöhle

Nicht nur Pippi Langstrumpf liebt es, sich in Bäumen zu verstecken – der südafrikanische Unternehmer Graham Paarman auch. So beauftragte er das Studio Malan Vorster damit, auf seinem Anwesen in Kapstadt ein Baumhaus für Gäste zu errichten.

zylindrische Baumhäuser auf baumstammähnlichen Stahlpfählen mit großen Fenstern
Luftige Gästehäuser in Kapstadt.
Foto: Adam Letch

Die dem Kinderbuchklassiker von Astrid Lindgren entliehene Idee eines ausgehöhlten, bewohnbaren Baumes trimmten die Architekten auf eine ausgereifte Luxusversion: So ruhen vier zylindrische Baukörper auf baumstammähnlichen Stahlpfählen und ranken daran empor.

luxuriöses Interior mit Ausblick auf die Landschaft
Herrliche Aussichten und ein luxuriöses Inneres.
Foto: Adam Letch

Im ersten Stock befindet sich das Wohn- und Esszimmer, im zweiten das Schlafzimmer mit Bad. Oben thront eine Dachterrasse über den Baumwipfeln. Die runde Form der Räume gibt den Gästen das Gefühl, umarmt zu werden.

Und die Konstruktion aus Holzleisten, wetterfesten rostbraunen Cortenstahl-Platten und gläsernen Schiebetüren bieten ihnen gleichzeitig fantastische Ausblicke in die Natur und Schutz vor der Umgebung. So hat man in diesem Baumhaus exakt das Gefühl, das man als Kind in einem Baumversteck hatte: Geborgen, aber auch irgendwie der Welt entrückt.

Das umgestülpte Zuhause

Für gewöhnlich befinden sich Terrasse und Garten bei einem Haus außen. Nicht so bei diesem Tokioter Zuhause: Hier liegen die Outdoor-Bereiche samt Pflanzen innen. In diesen Innenhof des weißen, mit einheimischen Gewächsen bepflanzten Kubus gelangt man durch eine große Eingangstür.

Über eine Leiter geht es dann weiter auf die Terrasse im ersten Stock mit dem schönen Ausblick, wo sich auch die offene Wohnküche der Hausbewohner befindet. Ausschließlich durch Glaswände zum Innenhof hin getrennt, kann der Bewohner dort nun seinen Blick über die Dächer und Baumwipfel der Nachbarschaft schweifen lassen.

Der durchdachte kubistische Stil und die ungewöhnliche Raumaufteilung des Hauses stammen von Architekt Takeshi Hosaka. Weil er auch die Bäume aus dem Garten unten ungehindert hinaufwachsen lassen wollte, baute er gleich Aussparungen ins Dach hinein. Sie lassen den Gewächsen nun den nötigen Freiraum und versorgen sie gleichzeitig mit Sonnenlicht und Regen.

Vision eines Baumhauses

Das Motto „Urban Green Living“ ist in aller Munde. Der niederländische Architekt Raimond de Hullu vom Studio Oas1s hob den Begriff nun in eine neue Dimension: Er verwendet in seiner „Treescraper“-Konzeptstudie Bäume als architektonisches Bauvorbild für seine Häuser.

Vision: mehrstöckige Wohnkuben aus recyceltem Holz vor einer Skyline
Wohnen im Grünen: „Treescrapers“.
Bild: Oas1s

„Bäume sind schließlich die bewährtesten und beliebtesten Strukturen der Welt“, erklärt de Hullu. Seine „Treescrapers“ sind mehrstöckige Wohnkuben aus recyceltem Holz mit großen dreifach verglasten Fenstern und begrünten Außenwänden. Solarpaneele auf dem Dach und Regenwasserfilter speichern Sonne und Wasser, die den Bewohnern dann zur Verfügung stehen.

Gebäude mit begrünter Fassade
Vertikal bewachsene Fassaden für mehr Grün in der Stadt.
Foto: Oas1s

Außerdem finden Insekten und Vögel in den vertikalen Gärten der visionären Häuser Unterschlupf und Nahrung. So sind die „Treescrapers“ im besten Sinne nachhaltig – und könnten Städte in natürliche Oasen verwandeln.

Stapelbares Mikrohaus

Ein selbstgebautes Baumhaus besteht gewöhnlich aus einer Einraum-Holzhütte, die vom Stamm und den Ästen eines Baumes getragen wird. Richtig komfortabel ist es aber meist nicht. Ein Architektenteam unter der Leitung von Ofis Arhitekti aus Slowenien suchte nun nach einer modernen Baumhauslösung.

Diese sollte gleichzeitig preiswert und bequem genug sein, um darin dauerhaft zu wohnen. Ihre Antwort sind modulare „Micro-Units“, die aufeinandergestapelt werden können und so sogar auf die klassische Tragehilfe der Äste verzichten können.

drei übereinander gestapelte, verschieden geformte Wohnkuben auf einem Hügel
Baumhaus ohne Baum: stapelbare Wohnkuben.
Foto: Ofis Arhitekti

Dank drei verschieden geformter Kuben, die aus einem Holzrahmen und Aluminiumplatten bestehen, wird die Stapelei formell auch nie langweilig. Mit einem Startpreis von 20.000 Euro und einer Mindestgröße von 4,30 x 2,50 Metern lassen die Wohneinheiten den Traum vom eigenen Haus in der Natur deutlich näher rücken.