Fitnessstudios wirken traditionell eher uninspirierend. Reihen klotziger Maschinen und dröhnende Musik bestimmen das Erlebnis. Das neue, preisgekrönte Studio- und Trainingskonzept Biofit kombiniert Fitness mit naturnahen Elementen. Demnächst eröffnet Gründer Matt Morley das erste Studio im kanadischen Calgary.

Als Matt Morley nach Südafrika zog, war er ein gestandenes Stadtkind. Aufgewachsen in London, hatte er keinen besonderen Bezug zur Natur. Der Sport hingegen spielte schon seit seiner frühen Jugend eine große Rolle in seinem Leben – wenn auch in geschlossenen Räumen. Die bergige Landschaft, die Weite, das türkisfarbene Wasser und die goldenen Sandstrände seiner neuen Heimat Kapstadt veränderten Morleys Blick auf Fitness und das Leben grundlegend.

Matt Morley zieht sich an einem Seil nach oben
Gründer Matt Morley entdeckte seine Liebe für Fitness in der Natur.

Anstatt weiter ins Fitnessstudio zu gehen, zog ihn sein Bewegungsdrang ins Freie – zum Surfen, Kickboxen oder zum Yoga in der Landschaft in und um Kapstadt. Die drei Jahre in Südafrika entfachten in Morley eine tiefe Leidenschaft zur Natur.

„Als ich zurück nach Europa zog, merkte ich, wie toll es ist, im Freien aktiv zu sein – ohne klassische Trainingsgeräte”, sagt der mittlerweile 36-Jährige. „Man kann auch ohne Equipment so viel machen. Da fiel mir auf, wie langweilig und inspirationslos die Fitnessstudios in unseren Städten waren.”

Naturnahes Design

Das Biofit-Konzept bietet sowohl besonderes Design als auch Fitnesskurse für Gruppen – beides von der Natur inspiriert. Eine Alternative zu oft fensterlosen Fitnessstudios, die besonders auf Strukturen aus Metall und Kunststoff setzen. Im vergangenen Jahr wurde Morleys Idee mit dem New Concept Award des angesehenen FIBO Global Fitness Fair ausgezeichnet. Das erste Studio soll in Kürze im kanadischen Calgary eröffnen.

In Zusammenarbeit mit der Architektin und Landschaftsdesignerin Lily Jencks machte Morley das sogenannte „Biophilic Design“ zum zentralen Aspekt der Studiogestaltung – ein Prinzip, das sich des positiven Effektes der Natur auf den Menschen bedient.

das natürliche Interior und die Ausstattung des Biofit-Studios
Natürliche Materialien: das erste Biofit-Studio.

Bei diesem Designansatz zählt jedes Detail. Wie ist die Lichtqualität? Wie viele Pflanzen gibt es? Was riechen Gäste, wenn sie hereinkommen? Im Biofit-Fitnessstudio ist alles darauf abgestimmt, Mitgliedern eine Oase der Ruhe zu bieten. Gleichzeitig soll das Wohlbefinden gesteigert und das Workout der Trainierenden optimiert werden.

Tech-Giganten wie Google und Facebook haben das Prinzip bereits erfolgreich in ihren Büros im Silicon Valley umgesetzt und ermöglichen es Mitarbeitern so, sich besser, positiver und energetischer zu fühlen. Diesen Ansatz überträgt Biofit auf das Fitnessstudio.

Anstelle von dutzendfach aneinandergereihten Ausdauergeräten und schwerem Eisen findet sich im Biofit-Studio eine Mischung aus Sandsäcken, Bällen, Gewichten und Seilen – gefertigt aus hochwertigen, natürlichen Materialien wie Holz, Leinen, Bambus und Leder. Statt gigantischer Flachbildfernseher und Spiegelwänden ist man umgeben von Pflanzen, Farben, Texturen und Gerüchen aus der Natur.

„Moderne Studios sind für mich seelenlose Orte, die Menschen nicht zum Loslegen und Dranbleiben motivieren“, so Morley. „In Sachen Licht- und Luftqualität, Geruch oder Sound sind sie noch nicht einmal gesund. Diese Aspekte ziehen immer den Kürzeren, wenn es darum geht, mehr Platz für Geräte oder Gewichte zu schaffen.“

Fitness für den Alltag

„Man muss kein Spezialist sein“, sagt Morley über die Biofit-Trainingsphilosophie. „Es geht vielmehr darum, den Menschen ein Verständnis von gesunder Fitness zu geben.“ So hat Morley die Natur nicht nur in das Design der Biofit-Studios einfließen lassen – sie ist auch Teil seiner Trainingsmethoden.

„Das Leben auf der Erde ist 3,5 Milliarden Jahre alt – davon ist moderne Fitness nur ein winziger, eigentlich irrelevanter Punkt“, fährt der Gründer fort. „Mit etwas mehr Abstand betrachtet: Was müssen wir als Menschen leisten? Wir brauchen eine gewisse Kraft, um im Leben voranzukommen. Dabei müssen wir uns einigermaßen gut bewegen können und auch ein Verständnis vom eigenen Körper haben.“

Trainingsausrüstung aus natürlichen Materialien
Das Biofit-Studio setzt auf Holz, Bambus, Leinen oder Leder.

Biofit meidet die linearen, auf Wiederholungen aufgebauten Herz-Kreislauf- und Gewichttrainings, die die meisten Fitnessstudios anbieten. Stattdessen folgt man einem natürlicheren und spielerischeren Ansatz – ausgerichtet auf Langzeitziele. Auf Biofit-Mitglieder wartet ein abwechslungsreicher Mix aus Bewegung und Mobilität, Stärke und Ausdauer, Spiel und Kampf mit Elementen aus dem isometrischen und plyometrischen Training sowie aus Kampftechniken. Agilitäts- und Achtsamkeitsübungen runden die ganzheitlichen Workouts ab.

Der Klassencharakter des Studios liefert die soziale Interaktion gleich mit und macht die Kurse dadurch gleichzeitig lebendiger und effektiver. „Ob Klettern, Kriechen, Springen oder Drehen – es sind all die kleinen Dinge, die man in der modernen Fitness sonst nicht erlebt. Es geht wirklich darum, das große Ganze zu sehen“, erklärt der Unternehmer.

Die Fitnessangebote der Städte verbessern

Wenn es darum geht, Städtern besseren Zugang zu inspirierendem Fitnessequipment im öffentlichen Raum zu bieten, müssten Städte generell kreativer werden, meint Morley. „Es gibt nie genug Grünflächen oder integrierte Möglichkeiten für Bewegung, Training oder Fitness“, sagt er.

„Dabei muss man verstehen, dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Bedürfnisse haben. Manche wollen eine 500 Meter lange Joggingstrecke. Das verändert ihre Welt. Andere möchten einen kleinen Pfad, auf dem sie morgens laufen können. Es ist ein Fehler, diese Dinge nicht in den städtischen Raum oder die Stadtentwicklung zu integrieren.“

Für Morley geht es darum, Menschen zu animieren, gemeinsam mit Freunden Spaß zu haben und auf unterschiedliche Arten zu trainieren. Für ihn sind Schweden und Niederländer die Pioniere, wenn es um Open-Air-Fitness geht. „Die haben einige wirklich interessante Außen-Trainingsanlagen. Warum sollte es nicht mehr solcher Beispiele geben, die Neugierde und Spannung wecken?“

Matt Morley trainiert mit einem Sandsack
Bei Biofit stemmt man Sandsäcke statt Hanteln.

Abschalten vom allzeit vernetzen Lebensstil

In Zeiten, in denen sich Metropolen auf der ganzen Welt weiter vergrößern und verdichten, ist der Kontakt zur Natur wichtiger denn je. Weg vom digitalen Lebensstil, hin zur Entspannung. Städtische Behörden haben die vielfältigen Vorteile cleverer Outdoor-Trainingsmöglichkeiten bislang noch nicht erkannt.

Dazu kommen die teils schwierige Nutzbarkeit der Grünflächen und öffentlichen Räume bei schlechtem Wetter, Luftverschmutzung oder zu lange Wege von der Arbeit oder von Zuhause. Hier schafft Biofit Abhilfe: lebensnahe Fitnesstrainings, durchgeführt in einer durchdachten, ausgetüftelt gestalteten und von der Natur inspirierten Umgebung.

Matt Morley in einer Kickbox-Position
Ein ausgeglichenes, gesundes Trainingserlebnis erwartet die Biofit-Gäste.

Mit der anstehenden Eröffnung seines ersten Fitnessstudios in Calgary (dem perfekten Standort, bedenkt man die Schneedecke, die zwischen sechs und sieben Monaten im Jahr über der Stadt liegt), geht Morley den nächsten Schritt hin zu seinem Ziel, Fitnessliebhaber mit der Natur zu verbinden.

„Einen Park werde ich sicher nicht bauen. Ich bin kein Landschaftsplaner und arbeite auch nicht für die Bezirksregierung. Was ich kann, ist eine Ladenfläche in ein grünes Gym verwandeln und jedem eine kleine Dosis Natur verpassen – vor der Arbeit, nach der Arbeit, in der Mittagspause. Für mich ist das genug.“

Mehr Informationen über Biofit gibt es auf der Website.