Die smart electric base macht vom 30. Juni bis zum 10. Juli Halt in Rom. Ein Programmpunkt ist ein Workshop des Blumendesigners Dylan Tripp, der zeigt, wie man ein kleines Stück Natur in eine minimalistische Stadtwohnung hineinzaubert. Im Gespräch verrät er uns mehr dazu.

Dylan, am 6. Juli hast du im Rahmen der smart electric base zum „Green Therapy Workshop“ eingeladen. Was erwartete die Teilnehmer?
Dylan Tripp: In meinem Green Therapy Workshop habe ich gezeigt, wie man ein Terrarium kreiert – einen kleinen „Garten” in einem Glasgefäß. Dazu braucht man nur ein bisschen Erde und Pflanzen. Und natürlich auch ein künstlerisches Händchen – darum ging es in meinem Workshop.

Klingt faszinierend. Aber über mehr Grün in unseren Wohnungen hinaus: Was sind weitere Vorteile eines solchen Miniaturgartens?
Dylan Tripp: Er kann wirklich wie eine Therapie wirken. Allein etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen ist schon entspannend und eine wunderbare Möglichkeit, sich dem Stress des Alltags zu entziehen. Auch Erde und die Wurzeln von Pflanzen anzufassen und diese Verbindung zu spüren, ist sehr beruhigend. Es gibt einem das ursprüngliche Gefühl, im wahren Sinne des Wortes geerdet zu sein. Man spürt ein Wohlgefühl, das automatisch das Herz öffnet. Genauso, wenn man einen Strauß Blumen arrangiert. Sich Zeit nehmen, nicht hetzen – wir alle brauchen das.

Platz ist Luxus in großen Städten, da scheint das kompakte Glasterrarium die perfekte Lösung zu sein.
Dylan Tripp: Absolut, wir alle leben in begrenzten Wohnungen in großen Städten – das Terrarium bringt ein bisschen Natur in die eigenen vier Wände. Vor allem für kleine Räume ist es ideal. Auch wer nur ein einziges Zimmer bewohnt, kann damit trotzdem eine kleine Ecke mit ein paar Pflanzen und Blumen einrichten. Dieser kleine Fleck natürlicher Schönheit gibt einem sehr viel, er ergänzt den Lebensrhythmus. Doch auch ein kleiner Kaktus im Bad kann für den Anfang schon reichen.

In der Einleitung zu deinem Workshop sprichst du von der Kraft der Pflanzen. Kannst du uns über dieses spannende Thema mehr erzählen?
Dylan Tripp: Pflanzen und Natur besitzen eine immense Energie. Das kann man besonders in verlassenen Dörfern sehen: Wenn der Mensch verschwindet, kommt als Erstes die Natur zurück und nimmt sich zurück, was ihr gehört. Wir können unsere Welten bauen, aber die Natur wird uns immer überdauern. Diese bedeutende Tatsache vergessen wir leicht. Manchmal ist die Kraft der Natur einschüchternd und manchmal wunderschön. Man darf ja nicht vergessen: Wir Menschen sind selbst Teil der Natur.

Du erstellst auch oft Blumenarrangements. Was ist für Dich der größte Unterschied zwischen Schnittblumen und lebenden Pflanzen?
Dylan Tripp: Lebende Pflanzen und Schnittblumen sind zwei völlig verschiedene Dinge. Schnittblumen stehen für die Schönheit des Moments. Sie sind ein Symbol für Vergänglichkeit, für das Memento mori. In einem Strauß konzentriert sich alles für nur wenige Tage. Er ist wunderschön, obwohl die Blumen nicht lange frisch bleiben. Ich finde das faszinierend. Ich finde auch eine gewisse Schönheit darin, wenn Blumen zu welken beginnen. Lebende Pflanzen sind das Gegenteil. Je mehr du dich um sie kümmerst, desto lebendiger werden sie.

Welche Blumen oder Pflanzen liegen gerade besonders im Trend?
Dylan Tripp: Gräser, Mohn und Anemonen sind gerade sehr beliebt. Aber künftig geht der Trend mehr in Richtung Kakteen und Sukkulenten. Das macht Sinn, denn Wasser wird immer knapper. Außerdem wird man in Zukunft häufiger tropische Blätter wie Monstera (auch: Fensterblatt) und Protea (auch: Zuckerbüsche) sehen.

Wie sieht der Garten des 21. Jahrhunderts aus?
Dylan Tripp: Kalifornien ist immer ein guter Gradmesser, nicht nur weil es sehr zukunftsorientiert ist, sondern vor allem, weil Wasser dort schon jetzt ein Luxusgut ist. Alles, was nicht viel Wasser braucht, wird uns vermehrt umgeben – Pflanzen wie Kakteen, Sukkulenten und Epiphyten, die beispielsweise Wasser aus der Luft absorbieren können. Auch wunderschöne Trockenblumen-Arrangements werden wir zukünftig häufiger sehen, auch ich arbeite gerade daran. Denn sie halten länger, brauchen kein Wasser und erscheinen für mich wie ein Stillleben. Generell gilt: Alles in unserem Zuhause und in unseren Gärten wird von diesem Umwelt-Megatrend beeinflusst sein.

Dylans Workshop im Rahmen der smart electric base fand am 6. Juli in Rom statt.