Vernetzte Autos und Carsharing sind die Zukunft der Mobilität – und die ist zum Greifen nah. Wie unsere Städte fit für den Wandel werden, zeigt sich momentan am Beispiel des guten alten Parkhauses. Vom dunklen Kasten wandelt es sich zum hypermodernen Allzweckgebäude – hier zeigen uns vier Architekten, Stadtplaner und Designer, wie es geht.

Mikro-Häuser auf dem Parkdeck – Atlanta als Versuchslabor

75 Studenten des Savannah College of Art and Design, zehn Monate und eine Menge Holz. Das ist SCADpad, eine Installation aus drei Mikrohäusern inklusive Community-Garden im vierten Stock eines Parkhauses in Atlanta.

Für eine Antwort auf ihre Frage, wie Design die Welt verändern kann, entschied sich das interdisziplinäre Projekt dafür, urbane Freiräume zu nutzen. In diesem Fall für nachhaltiges und effizientes Wohnen auf kleinstem Raum.

Ein Parkhaus von innen mit einer Skyline im Hintergrund
Starre Betonkästen waren gestern – Parkhäuser erfinden sich neu.
Foto: mit freundlicher Genehmigung von SCAD

Kein Problem, wenn dieser Raum eine Parkgarage ist. Denn laut einer Studie der SCADpad-Macher gibt es rund 105 Millionen Parkplätze in den USA. Und damit gleich fünf Plätze für jedes Auto – urbaner Freiraum, der genutzt werden will. So können aus Leerständen potenzielle Lebensräume werden.

kreative Inneneinrichtung für ein leerstehendes Parkhaus von SCADpad
Inspirierende Kreativlandschaft – Treffpunkt der SCADpad-Gemeinde.
Foto: mit freundlicher Genehmigung von SCAD

Jedes der drei Mikrohäuser folgt einem geografischen Designthema: Europa, Asien und Nordamerika – Referenzen an die internationalen Standorte des SCAD-Colleges. Gemeinsam ist den Häusern ihre Multifunktionalität. Mit modularen Wandsystemen, intelligentem Home-Kontrollsystem, nachhaltigem Abfallmanagement und 3D-Möbeln, die sich an die Bedürfnisse der Bewohner anpassen lassen.

leuchtend orangefarbene Duschkabine
Die Duschkabine im SCADpad „Europe“ ist ein Hingucker.
Foto: mit freundlicher Genehmigung von SCAD

Momentan werden die Mikrohäuser noch von Studenten des SCAD-College bewohnt. Quasi als Versuchslabor für das Wohnen der Zukunft. Geht es nach den Machern von SCADpad, ist der vierte Stock in Atlanta City erst der Anfang. Irgendwann sollen die Mikrohäuser dort stehen, wo sie gebraucht werden – auf jedem ungenutzten Parkplatz in den USA.

Orientalisch eingerichtetes Mikrohaus
Gemütlich wohnen im SCADpad „Asia“.
Foto: mit freundlicher Genehmigung von SCAD

„The MOD“ – wie Architekten die Zukunft schon heute entwerfen

Die meisten Parkhäuser sind Platzverschwendung. So sieht es zumindest Andy Cohen, Co-CEO beim amerikanischen Design- und Architekturbüro Gensler. Das Problem sei nur, sagt Cohen, das viele Verantwortliche das noch immer anders sehen würden.

Deshalb reist er unermüdlich durch die USA. Tauscht sich aus mit Stadtplanern, Behörden und Designern. Gemeinsam wollen sie sich auf die Zukunft vorbereiten. Auf eine Zukunft, in der aus Platzverschwendern Orte zum Wohnen, Arbeiten und Leben werden.

Wie so ein Ort aussehen könnte, hat Andy Cohen sich schon mal ausgedacht. Dabei herausgekommen ist „The MOD“. Ein fiktives Kulturzentrum in LA, erbaut auf dem Gerippe eines ausgedienten Parkhauses als lichtdurchflutetes Konstrukt mit variablen Wänden und Decken. Offen für Wohnungen, Shop-Einheiten oder Büros. Platzverschwendung sieht anders aus.

Variabel und modular: eine Vision für Los Angeles.
Foto: mit freundlicher Genehmigung von Gensler

Vom Parkhaus zum Luxusobjekt – das „Village“ im Wandel

Wie aus einem schnöden Parkhaus ein Bauprojekt der Extraklasse werden kann, zeigt die Immobilienfirma Cantor-Pecorella gerade in New York City. Großzügige Räume mit Loft-Feeling, private Parkplätze für die Anwohner via automatischem Parksystem, maßgefertigtes Interior aus Italien, Badezimmer aus feinstem Marmor und eigenem Fitness-Center – fertig ist das Luxus-Townhouse.

Wem jetzt das Wasser im Mund zusammen läuft, für den gibt es gute Nachrichten. Ein Penthouse ist noch zu haben. Mit vier Badezimmern, einer Terrasse und privatem Fahrstuhl – auf drei Etagen. Preis: etwa 19 Millionen Dollar.

Das Parkhaus als Pilgerstätte für Designliebhaber – Alltag in Miami Beach

Im Parkhaus an der 1111 Lincoln Road in Miami Beach parkt man nicht einfach. Dazu ist das Gebäude zu schade. Man genießt den Panoramaausblick, geht zum Yoga-Kurs, zum Shoppen im Erdgeschoss – oder man feiert im eingebauten Eventspace im siebten Stockwerk.

ein leerstehendes Parkhaus mit Ausblick auf Miami
Miami: Parken mit Ausblick.
Foto: Hufton + Crow and MBEACH1, LLLP

Vom Parkhaus zu einem Ort der Multifunktionalität – das war die Idee hinter dem Entwurf des Schweizer Architekturbüros Herzog & de Meuron. Der Plan geht auf: Sportler nutzen die Treppen und Rampen für ihr tägliches Training, Anwohner kommen zur Sonnenuntergangs-Show und Menschen, die gutes Design schätzen, reisen an, um das Gebäude zu besichtigen. Wer demnächst mal in Florida ist, der sollte dringend mal vorbeischauen – doch Vorsicht, die Einfahrt kostet rund 30 US-Dollar.

Parkhaus der Zukunft: das Parkhaus an der 1111 Lincoln Road in Miami
Lifestyle-Oase mit Parkmöglichkeiten.
Foto: Hufton + Crow and MBEACH1, LLLP