Die Lebensqualität einer Stadt wächst mit ihren Grünflächen. Deshalb entwickeln immer mehr Metropolen urbane Masterpläne für mehr Stadtnatur, die sie gemeinsam mit visionären Architekturbüros umsetzen. Hier sind die fünf besten Ideen für 2018.

Ein Indoor-Park für Stockholm

 „Wohin in der Stadt, wenn es draußen kalt und dunkel ist?“, fragte sich das Team von Utopia Arkitekten aus Stockholm. Die Antwort: entweder nach Hause, in ein Café, ein Restaurant oder eine Shopping-Mall. Wer sich einfach nur so treffen möchte, ohne Geld auszugeben, findet in Stockholm im Winter kaum Möglichkeiten.

S:t Erik’s Indoor-Park: sechs Kuppeln, die einen Indoor-Park überdachen
Eine grüne Lunge in Stockholm.
Foto: Utopia Arkitekter

Deshalb entwarfen die Architekten den „S:t Erik’s Indoor-Park“: eine überdachte und beheizte grüne Lunge mitten in der schwedischen Hauptstadt. Für die sechs Kuppeln, die den Park überdachen sollen, werden bis zu 23 Meter hohe Holzstützen mit einer Glashaut bedeckt, die viel Tageslicht durchlässt.

Glaskuppeln in Stockholm
Begrünte Kuppeln gegen schwedischen Winterblues.
Foto: Utopia Arkitekter

Die benötigte Wärme soll von der gefilterten Abluft eines benachbarten Parkhauses bezogen werden. So wäre „S:t Erik’s“ ein durch und durch grüner Treffpunkt, der den skandinavischen Winterblues atomisiert.

Natur-Korridore für Barcelona

Europas Altstädte locken jährlich Millionen Touristen an. Doch für Stadtplaner sind die historischen Strukturen oft ein Problem. Denn wo kein Platz ist und strenge Regelungen den Bestand schützen, kann auch nichts Neues entstehen.

Die Stadtverwaltung von Barcelona will diesen Zustand mit ihrem neuen „Re-Greening-Programm“ bis 2019 ändern, mit dem 108 Hektar neues Grün entstehen sollen. Maßgeblich benötigt wird dies im Zentrum der katalonischen Metropole, die zu heiß, zu laut und zu luftverschmutzt ist. Und während sich am Stadtrand die Naturanlagen drängen, finden sich in Barelonas Innenstadtvierteln kleine grüne Oasen nur auf den Mittelstreifen der Ramblas, in privaten Hinterhofgärten und Miniparks.

Um ihre Ziele zu erreichen, geht die katalanische Regierung aufs Ganze: Zahlreiche Mikroprojekte sollen grüne Korridore in der City entstehen lassen. Indem Straßen unter die Erde verlegt und Autos aus der Stadt verbannt werden, soll Platz für neue Parks geschaffen werden.

Sogar Industrieland wurde zu diesem Zweck bereits aufgekauft. Bürger sind aufgerufen ihre Dächer zu begrünen – die nachhaltigsten Ideen werden mit Preisgeldern prämiert. Kletterpflanzen an kahlen Fassaden oder Pop-up-Gärten auf Baustellen runden die Initiative ab.

Barcelona will grüner werden.
Foto: iStock

Der Hybridpark von Moskau

Kaum zu glauben: Seit einem halben Jahrhundert wurde in Moskau kein Park und keine Grünanlage mehr eingeweiht. Der „Zaryadye Park“ ist die erste Neueröffnung seit fast 50 Jahren. Die nur einen Katzensprung von Kreml und Rotem Platz entfernt gelegene Anlage ist dabei kein Park im klassischen Sinne, sondern ein neuer Typus öffentlichen Geländes.

Auf über zehn Hektar hat das renommierte Architektenbüro Diller Scofidio + Renfro ein Museum, Pavillons, ein Amphitheater und eine Konzerthalle errichtet, sowie einen markanten Aussichtspunkt und „Erlebnis-Natur“ entstehen lassen.

So ist die Parkarchitektur des „Zaryadye Park“ beispielsweise unsichtbar, weder eingefasste Straßen noch Wege unterteilen ihn. Die hügelige Topografie bewirkt, dass man sogar bepflanzte Häuserdächer begehen kann. So urban kann Natur sein.

Zaryadye Park: ein zehn Hektar großer Park eingebunden in die Infrastruktur Moskaus
Erlebnis-Natur im Herzen von Moskau.
Foto: Mos.ru (CC BY 4.0)

Die künstliche Küste von Shanghai

Shanghai, die Stadt der Superlative, platzt mit ihren 24 Millionen Einwohnern aus allen Nähten. Während im ökonomischen Boom der vergangenen Jahrzehnte die Stadtplanung wild vorangetrieben wurde, besinnt sich Shanghai jetzt langsam wieder auf ihre Historie. Und die drehte sich jahrhundertelang um ihre Lage als Küsten- und Hafenstadt am Ostchinesischen Meer.

Der von TLS Landscape Architecture geplante und sich bereits im Bau befindende „Sanlin Bund Ecological Park“ orientiert sich stark an dieser maritimen Geschichte: Kanäle durchziehen das 241 Hektar große Gelände und verbinden zahllose Seen und Teiche. Sumpfgebiete wechseln sich ab mit Wassergärten, Wiesen und Wald – ganz so, wie es früher hier einmal war. So soll das natürliche Ökosystem der Gegend wiederhergestellt werden.

Damit es den Städtern nicht langweilig wird, haben die Landschaftsarchitekten aber auch eine Plaza, ein Kunstmuseum, einen Skulpturenpark und andere Begegnungsstätten geplant. Denn für reine Nostalgie begeistert sich in China kaum jemand mehr.

Sanlin Bund Ecological Park“: Kanäle verbinden Seen und Teiche inmitten einer Grünlandschaft
241 Hektar sattes Grün in Shanghai.
Foto: TLS Landscape Architecture

Die Garteninsel für Sydney

Sydney grünt und blüht zwar üppig – aber diese Naturpracht ist längst nicht allen zugänglich. So gehört zum Beispiel eine der größten Inseln im innersten Hafengebiet, die jahrelang als Trockendock genutzt wurde, nun dem Militär.

Das internationale Architekturstudio LAVA durfte jetzt im Auftrag der australischen Metropole träumen. Die Vision: auf dem abgeschotteten Gelände einen pulsierenden neuen Stadtteil entstehen zu lassen – „Garden Island“ genannt.

Geplant sind Wohnungen, öffentliche Badestellen, Kleinkunstbühnen und Märkte. Aber auch ein großes Kreuzfahrtterminal, das Touristen bringen soll. Der Name verweist dabei auf den Kern des Megaprojekts: So sollen alle Anlagen in nachhaltiger Bauweise entstehen, mit begrünten Dächern und Fassaden, sowie unzähligen umliegenden Grünanlagen. Statt die Schönheit der Natur zu überbauen, will LAVA sie mit diesem urbanen Projekt wieder in ihrer vollen Blüte zeigen.