Jedes Jahr treffen sich Architekten und Interior-Experten, um beim World Architecture Festival in Berlin die herausragenden Bauprojekte des Jahres zu küren. Wir stellen unser Best-of vor.

Heatherwick Studio, Zeitz MOCAA, Kapstadt, Südafrika

Als das Zeitz MOCAA im September 2017 seine Türen öffnete, beeindruckte vor allem die Architektur des Gebäudes: Das Museum für afrikanische Kunst residiert in einem historischen Getreidesilo in Kapstadt.

MOACAA-Museum in Kapstadt
In Kapstadt: ein Museum im Gehäuse eines alten Silos.
Bild: World Architecture Festival/ Heatherwick Studio

Für das Museum entkernten die Architekten des Heatherwick Studio 42 Silos. Verbindendes Element ist ein gigantisches Atrium. Die Struktur des Museumsportals erinnert dabei an ein vergrößertes Getreidekorn – und damit an die funktionale Vergangenheit des Gebäudes.

Allwater, Hybrid Solid-Fluid Building Envelope, Taichung, Taiwan

Das „Hybrid Solid-Fluid Building“ von Allwater stellt gleich mehrere Gewissheiten auf den Kopf. Denn obwohl es auf den ersten Blick nur wie ein modernes Gartenhäuschen auf dem Wasser wirkt, steckt in ihm eine echte bauliche Vision. Das Gebäude besteht aus einer Art Meta-Material, das sich „Allwater Panel“ nennt. Die Erfindung des ungarischen Architekten Matyas Gutai soll energieneutral und nachhaltig sein. Klingt nach Zukunftsmusik, könnte aber bald Realität werden: Gemeinsam mit dem Unternehmen Jüllich-Glas stellt Matyas Gutai bereits Prototypen her.

Neri&Hu Design and Research Office, New Shanghai Theatre, Shanghai, China

Lyndon Neri und Rossana Hu sind Meister der leisen Töne. Beim Umbau des New Shanghai Theatre war ihnen eine gewisse Portion Drama dennoch wichtig. Die nüchterne Fassade verkleideten sie mit anthrazitfarbenen Natursteinplatten und vergrößerten den Eingangsbereich zu einer Plaza. Zusätzlich schmückten Neri&Hu die Innenwände des Theaters mit mattgoldenen Bronze-Streben, die von LED-Strahlern beleuchtet werden.

Die graue Fassade des New Shanghai Theatre
Außen anthrazitfarbene Natursteinplatten …
Foto: World Architecture Festival/ Neri&Hu Design and Research Office
golden-grauer Eingangsbereich des New Shanghai Theatres
… mattgoldene Bronze-Streben für die Plaza.
Foto: World Architecture Festival/ Neri&Hu Design and Research Office

Schmidt Hammer Lassen Architects, Vendsyssel Theatre, Hjørring, Dänemark

Das im norddänischen Hjørring neu errichtete Vendsyssel Theatre dient seit Anfang 2017 nicht nur als Schaubühne, sondern auch als Multifunktionshalle. Das Team von Schmidt Hammer Lassen Architects machte diese Flexibilität auch äußerlich sichtbar und errichtete fünf Gebäudekuben aus gefrostetem Glas und Cortenstahl. So können Theater und Umgebung miteinander kommunizieren.

Pink beleuchtete Kuben: Vendsyssel Theatre
Multifunktionale Kuben im dänischen Hjørring.
Foto: World Architecture Festival/ Schmidt Hammer Lassen Architects

Vo Trong Nghia Architects, Atlas Hotel Hoi An, Vietnam

Seitdem die Küstenstadt Hoi vor einiger Zeit zum Weltkulturerbe ernannt wurde, verändert der Tourismus die historische Innenstadt zunehmend spürbar. Um dieser Entwicklung etwas entgegenzusetzen, errichtete der vietnamesische Star-Architekt Vo Trong Nghia das Atlas Boutique Hotel. Inspirieren ließ er sich von den typischen Hinterhöfen der Stadt. Der Bau steht auf Betonstelzen, wodurch das Erdgeschoss offen und lichtdurchflutet ist. Versetzt gemauerte Backsteinwände und üppig begrünte Sandsteinkuben schützen vor unerwünschten Einblicken und Sonneneinstrahlung.

grün bepflanzte Fassaden des Atlas Boutique Hotel in Vietnam
Üppig begrünt: das Atlas Hotel in Vietnam.
Foto: World Architecture Festival/ Vo Trong Nghia Architects

Fearon Hay Architects, Forest House, Auckland, Neuseeland

In der Mode ist sogenanntes „Layering“ weit verbreitet – in der Architektur hingegen ist der Lagenlook noch eher ungewöhnlich. Fearon Hay Architects aus Neuseeland beweisen mit ihrem „Forest House“ wie gut das Prinzip der kombinierten Schichten auch in der Baubranche funktioniert. Das Resultat ist sowohl behaglich und intim, als auch offen und repräsentativ. Ein Ort für alle Facetten des Familienlebens.

neuseeländisches Forest House aus Holz
Behaglich und intim: das Forest House.
Foto: World Architecture Festival/ Fearon Hay Architects
Kamin im Wohnzimmer des Forest House
Gedeckte Farben für maximale Gemütlichkeit.
Foto: World Architecture Festival/ Fearon Hay Architects

Zaha Hadid Architects, Salerno Maritime Terminal, Salerno, Italien

Capri, Positano, Pompeji – an der italienischen Amalfi-Küste reihen sich die kulturellen Schätze aneinander. Seit letztem Jahr ist die Gegend um noch eine Attraktion reicher: Im Hafen von Salerno eröffnete der von Zaha Hadid entworfene Fährterminal. Mit einer Form, die an einen schwimmenden Rochen erinnert, ist der Bau schon auf den ersten Blick eine Ode ans Meer. So prägt Hadids Bau die Küstenlinie Amalfis – ohne sie zu dominieren.

UArchitects and Misak Terzibasiyan, IKC de Geluksvogel, Maastricht, Niederlande

Nicht einfach nur eine Schule sollte der Entwurf des Architekten Misak Terzibasiyan in Maastricht werden. Gemeinsam mit dem Team der UArchitects entwarf er ein Gebäude, das durch Schiebewände, Outdoor-Räume und einen Schulgarten räumlich erlebbar wird. Die am Rande eines Naturschutzgebiets gelegene Bildungseinrichtung ist rundum energieneutral. Und so bestes Vorbild für die Kinder …

energieneutrale Schule IKC de Geluksvogel in Maastricht
Diese Schule in Maastricht erfüllt ihre Vorbildfunktion.
Foto: World Architecture Festival/ UArchitects / Misak Terzibasiyan

Wingårdh Arkitektkontor, Market Hall, Malmö, Schweden

Früher war das alte Bahndepot in der Gibraltargatan in Malmö eine Ruine – bis das Unternehmerpaar Nina und Martin Karyd deren Überreste gemeinsam mit dem Architektenteam Wingardh in eine urbane Markthalle verwandelte. Das Bahndepot wurde um einen Neubau erweitert und mit Cortenstahlplatten verkleidet. Ein gläserner Gang lässt Licht und frische (Meeres)-Luft hinein.

einer der Favoriten des World Architecture Festivals: die umgebaute Markthalle in Malmö, Schweden
Aus Alt mach Neu: die Markthalle in Malmö.
Foto: World Architecture Festival/ Wingårdh Arkitektkontor
der Eingangsbereich der Markthalle Malmö aus Cortenstahl
Der Neubau verwendet Cortenstahl.
Foto: World Architecture Festival/ Wingårdh Arkitektkontor

Tchoban Voss Architekten, Tuchfabrik, Berlin, Deutschland

Die Tuchfabrik in Berlin hat sich neu erfunden und dafür ordentlich in Schale geschmissen. Unter der Leitung des Architektenstudios Sergei Tchoban wurde das alte Fabrikgebäude nachhaltig modernisiert. Die beiden voneinander getrennten Gebäudeteile wurden miteinander verbunden, die Fassade bekam ein visuell passendes Makeover. Ihre leichtgewichtigen Sandwichplatten zeigen nun ein Garnmuster, das sich um die Tuchfabrik spannt und an die Geschichte des Ortes erinnert.

Garnförmiges Muster auf der Fassade der Tuchfabrik Berlin
Die Tuchfabrik erinnert an ihre eigene Geschichte.
Foto: World Architecture Festival/ Tchoban Voss Architekten

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